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Digitalisierung in der Energiewende: Warum das Handwerk den Unterschied macht

Verena Kohfeld
Lesezeit Icon 8 Min. Lesezeit
Datum Icon 30. Juni 2026

Was passiert, wenn ein gelernter Zimmerer die Energiewende digitalisiert? Daniel Fellhauer hat aus Febesol ein Unternehmen mit über 200 Mitarbeitenden gemacht – nicht durch perfekte Pläne, sondern durch anpacken. Prozesse, Karrieremodelle und die Frage, warum das Handwerk der unterschätzte Motor der Energiewende ist.

Das Handwerk ist der unterschätzte Motor der Energiewende

Vom Energiekunden zum Energiegestalter

Prozesse vor Software – warum Digitalisierung scheitert, bevor sie beginnt

Low Code, No Code, Schnittstellen: So denkt Febesol Software

Smarter statt fleißiger: Was echte Effizienz im Handwerk bedeutet

Was die Energiewende wirklich bremst – und was trotzdem geht

Fazit

 

Die beste Idee zur Energiewende bringt nichts, wenn niemand sie umsetzt. Wer den Wandel wirklich voranbringt, sind nicht Konzerne oder Regulierer – sondern Handwerker*innen, die anpacken statt abwarten. Daniel Fellhauer weiß das aus eigener Erfahrung: Als Zimmerer gestartet, gründete er Febesol, baute das Unternehmen auf über 200 Mitarbeitende auf und war bis Ende 2025 Chief Transformation Officer bei thermondo – einem der bekanntesten Unternehmen der digitalen Energiebranche. Im IMPACT ENERGY loading... Podcast spricht er darüber, wie Digitalisierung in der Energiewende kein Luxus, sondern ein Überlebenswerkzeug für das Handwerk ist – und warum Machen immer Fortschritt bedeutet, egal wie unfertig der erste Schritt wirkt.

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Digitalisierung Energiewende: Das Handwerk ist der unterschätzte Motor

Daniel Fellhauer bringt es auf den Punkt: Alle politischen Pläne, alle technologischen Visionen zur Energiewende sind wertlos, solange nicht jemand die Anlage aufs Dach schraubt. Das Handwerk ist das Bindeglied zwischen Idee und Wirklichkeit und wird trotzdem systematisch unterschätzt. „Nur der Handwerker“, sagt Fellhauer provokativ und meint genau das Gegenteil. Wer so denkt, ist auf dem Holzweg.

Dabei ist die Energiewende strukturell eine Handwerker*innen-Aufgabe. Denn anders als früher, als die Energieversorgung in wenigen großen Konzernen zentralisiert war, ist die neue Energiewelt dezentral. Solaranlagen, Wärmepumpen, Batteriespeicher – das alles entsteht nicht in einem Kraftwerk, sondern auf tausenden Dächern und in zehntausenden Kellern. Für jede einzelne Installation braucht es jemanden, der es macht. Und diese Dezentralisierung bringt mehr mit sich als nur Technik: Sie überträgt Verantwortung zurück an den Einzelnen.

Fellhauer beschreibt diesen Wandel als eine Art Bewusstseinsveränderung. Verbraucher*innen sind nicht mehr nur Stromkund*innen, die ihre Rechnung bezahlen – sie werden zu Erzeuger*innen, die aktiv Entscheidungen über Erzeugung, Speicherung und Verbrauch treffen. Das Bewusstsein für Energie ist in den letzten zehn Jahren drastisch gestiegen. Und je mehr Menschen sich damit beschäftigen, desto schneller dreht sich das Rad des technologischen Fortschritts.

Wenn das Handwerk in diesem System digitaler, effizienter und skalierbarer wird, beschleunigt sich die Energiewende automatisch mit.

 

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Vom Energiekunden zum Energiegestalter: Eigenverantwortung als Treiber

Ein Kerngedanke, der sich durch das gesamte Gespräch zieht: Wer wartet, dass jemand anderes die Dinge richtet, wartet zu lange. Fellhauer hat das nicht nur als Unternehmer gelebt, sondern auch als Mensch. Nach seiner Bundeswehrzeit – wo er, wie er selbst sagt, feststellte, dass er ein „starkes Autoritätsproblem“ hat – blieb ihm kaum eine andere Wahl als die Selbstständigkeit. Was wie eine Einschränkung klingt, wurde zum Antrieb.

Diese Haltung überträgt er auf seine Sicht der Energiebranche. Dezentrale Stromerzeugung bedeutet mehr Eigenverantwortung – für Haushalte, Betriebe und Installateur*innen gleichermaßen. Wer nicht darauf wartet, dass Konzerne oder Politik die Weichen stellen, sondern selbst handelt, hat einen strukturellen Vorteil. Febesol ist genau so gewachsen: nicht durch günstige Rahmenbedingungen, sondern trotz widriger.

„Echte Transformation beginnt, wenn Menschen den Wandel selbst in die Hand nehmen und nicht darauf warten, dass jemand anderes es richtet.“ – Timo Ziegler, BRICKMAKERS

Prozesse vor Software – warum Digitalisierung scheitert, bevor sie beginnt

Fellhauer beschreibt einen Fehler, den viele Mittelständler*innen kennen: Man kauft eine Software, bevor man weiß, was man eigentlich abbilden will. Bei Febesol lief das zunächst genauso – eine erste Software wurde eingeführt, die Mitarbeitenden mühsam auf Tablets umgestellt, und nach einem halben Jahr war klar: Es funktioniert nicht. Zurück zu Papier. Pflaster ab, neu anfangen.

Was er daraus gelernt hat: Digitalisierung beginnt nicht mit einem Tool, sondern mit einer Frage. Welche Prozesse habe ich überhaupt? Wo verliere ich Zeit und Geld? Was passiert eigentlich zuerst, dann, danach? Wer das nicht beantworten kann, wird keine Software der Welt zum Laufen bringen. Das ist kein Vorwurf – es ist ein strukturelles Problem, das viele Betriebe betrifft, die einfach losgelegt haben, ohne je zu standardisieren.

„Wer sich auf etwas spezialisiert hat, dem ergeben sich Prozesse fast von allein.“ – Daniel Fellhauer

Viele Handwerksbetriebe versuchen, alles für alle zu sein. Jede Anfrage wird angenommen, jeder Auftrag gemacht. Das klingt nach Kundennähe, ist aber in Wahrheit ein Skalierungskiller. Wer alles macht, kann nichts standardisieren. Und wer nichts standardisiert, kann nichts digitalisieren. Der erste Schritt zur Digitalisierung ist deshalb oft nicht die Einführung einer Software, sondern das Fokussieren des Angebots: Was will ich am liebsten machen? Womit verdiene ich am meisten? Was kann ich wirklich gut?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lassen sich Prozesse bauen – und auf Prozessen lässt sich Software aufbauen. Nicht umgekehrt. Wer diesen Schritt überspringt, läuft ins Overengineering – und findet sich in Meetings wieder, in denen über die beste Lösung für ein Problem diskutiert wird, das man mit einem anderen Blickwinkel in dreißig Sekunden hätte lösen können. Fellhauer erzählt dazu eine Geschichte, die symptomatisch ist: Ein Kollege sitzt auf einem Strategy-Offsite und wird von einem Deckenstrahler geblendet. Während die Runde über Tischumstellungen und Vermieteranrufe diskutiert, stellt Fellhauer sich auf den Tisch, dreht den Spot zur Seite – Thema erledigt.

Das Prinzip dahinter nennt er selbst „smarter not harder“. Und es ist auch das Prinzip, das hinter einer guten Digitalen Transformation steckt: nicht Technologie um der Technologie willen, sondern Strukturen, die Menschen befähigen, besser zu arbeiten. Um die eigenen Prozesse besser kennenzulernen eignet sich ein Process Lab Workshop.

Low Code, No Code, Schnittstellen: So denkt Febesol Software

Die Frage, ob man als mittelständisches Unternehmen auf eine Branchensoftware von der Stange setzen soll oder auf eine Individualentwicklung, beantwortet Fellhauer mit einem klaren „Weder noch“. Der goldene Weg liegt für ihn in der Mitte: flexible Software, die man selbst anpassen kann, ohne externe Entwickler zu brauchen. Low Code, No Code – und vor allem: gute Schnittstellen.

Denn das größte Risiko bei der Digitalisierung ist nicht die falsche Software. Es sind Insellösungen. Systeme, die nicht miteinander sprechen. Daten, die nicht weiterfließen. Febesol arbeitet seit Jahren mit einer Software, die genau dieses Baukastenprinzip ermöglicht – einzelne Prozessschritte eigenständig abbilden, anpassen, weiterentwickeln, ohne jedes Mal einen Feature Request einzureichen, der drei Monate dauert und tausende Euro kostet.

Die Lehre für andere Betriebe: Achtet bei der Softwareauswahl weniger auf den Funktionsumfang als auf die Anpassungsfähigkeit. Könnt ihr selbst eingreifen? Könnt ihr Daten rein und rauslassen? Passt die Software zu euren Prozessen – oder müsst ihr eure Prozesse der Software anpassen? Wer sich hier zu viele Kompromisse erlaubt, zahlt langfristig drauf.

Smarter statt fleißiger: Was echte Effizienz im Handwerk bedeutet

Fellhauer erzählt von einem Kollegen auf dem Dach – lässig, Kippe im Mundwinkel, und trotzdem der Schnellste im Team. Nicht weil er am härtesten gearbeitet hat, sondern weil er seine Bewegungen durchdacht hatte. Jeder Schritt saß. Jeder Griff war geplant. Die fleißigsten Kollegen waren am Ende des Tages erschöpft und hatten weniger geschafft. Sie waren fleißig. Er war routiniert.

Dieser Unterschied ist der Kern von Digitalisierung im Handwerk. Es geht nicht darum, mehr zu tun, sondern das Richtige besser zu tun. Und das bedeutet: Prozesse verstehen, standardisieren, dann automatisieren. Nicht umgekehrt. Fellhauer nennt das seinen persönlichen Antrieb: Er ist „grundsätzlich eher der faule Typ“ – und hat deshalb mehr über Prozesse nachgedacht als die meisten anderen.

Für Febesol bedeutete das unter anderem ein eigenes Karrieremodell, das klar beschreibt, wie ein motivierter Quereinsteiger Schritt für Schritt qualifiziert wird – Führerschein, Deutschkurs, Fachausbildung, alles intern strukturiert. Kein Fachkräftemangel-Gejammer, sondern eine konkrete Antwort darauf. Klare Stufen, transparente Kriterien, echte Entwicklungsperspektiven – und in der höchsten Vorarbeiterstufe sogar ein vollelektrisches Firmenfahrzeug zur privaten Nutzung. Weil Fellhauer verstanden hat, was seine Mitarbeitenden wirklich brauchen.

Was die Energiewende wirklich bremst – und was trotzdem geht

Fellhauer nennt klar, was fehlt: politische Planungssicherheit. Die Solarbranche leidet seit Jahren unter dem, was er den „Solarcoaster“ nennt – ein ständiges Auf und Ab aus wechselnden Förderungen, Gesetzänderungen und politischen Signalen, die sich gegenseitig widersprechen. Mehrwertsteuerbefreiung, BAFA-Förderung, Heizungsgesetz, KfW-Stopp – Unternehmen wie Febesol müssen mit einem Markt umgehen, der sich alle paar Monate verändert. Das kostet Energie, die besser in den Ausbau fließen könnte.

Dazu kommt ein strukturelles Problem: Die Energiewende braucht einen eigenen Berufsstand – den Solartechniker als Hybrid aus Elektriker und Dachdecker. Stattdessen kämpfen Innungen und Kammern um Zuständigkeiten, die sie selbst nicht ausfüllen können. Das Ergebnis: Bürokratie statt Ausbildung, Abgrenzung statt Kooperation. Der Netzausbau stockt, die Fördermittel fließen in falsche Richtungen, und die Branche macht trotzdem weiter.

Und das ist die eigentliche Botschaft: Wer auf die richtigen Bedingungen wartet, wartet zu lange. Febesol hat keine Innung gewartet, sondern selbst ausgebildet. thermondo hat nicht auf die perfekte Regulierung gewartet, sondern ein skalierbares Geschäftsmodell gebaut. Wer in der Digitalisierung der Energiewende vorankommen will, schafft sich seine Bedingungen selbst.

Wie das in der Praxis aussieht und was BRICKMAKERS dazu beitragen kann, erfährst du hier oder direkt im Blog rund um die Energiewende.

Fazit

Digitalisierung in der Energiewende ist keine Frage von Budget oder Unternehmensgröße. Es ist eine Frage der Haltung. Wer bereit ist, Prozesse zu hinterfragen, Fehler als Teil des Weges zu akzeptieren und einfach anzufangen, kann auch mit begrenzten Mitteln enorme Hebel schaffen. Daniel Fellhauer ist der Beweis dafür – vom Zimmerer und Bundeswehrveteran mit Autoritätsproblem zum Gründer von Febesol und Chief Transformation Officer bei thermondo. Er hat nicht auf die richtigen Bedingungen gewartet. Er hat sie sich gebaut.

Was bleibt: Machen ist Fortschritt. Immer. Hör rein in die aktuelle Episode von IMPACT ENERGY loading... – und lass dich von Daniels Pragmatismus anstecken.

🎧 Digitale Transformation in der Energiewende: Machen = Fortschritt | Daniel Fellhauer, CEO von Febesol & ehem. CTO von thermondo – jetzt reinhören

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Mit: Daniel Fellhauer, CEO, Febesol & ehem. Chief Transformation Officer, thermondo

Hosts: Karin Kretzer & Timo Ziegler, BRICKMAKERS

 

Mehr zu Daniel Fellhauer: https://www.linkedin.com/in/daniel-fellhauer-105352144/ 

Mehr zu Febesol: https://febesol.de/

Mehr zu thermondo: https://www.thermondo.de/ 

Alle Podcast-Episoden: https://www.brickmakers.de/podcast